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Mediation


"Jedes Ding hat zwei Seiten. Mit Rechtsanwalt drei."

Klaus Klages

 
Mediation - was ist das?

Mediation bedeutet in erster Linie „Vermittlung“ und „Interessenausgleich“. Eine Vermittlung wird in den allermeisten Fällen einen Ausgleich gegenläufiger Interessen voraussetzen, d.h. jeder muss etwas von seiner Ausgangsstellung preisgeben. Dabei ist entscheidend, dass es auf „Interessen“ und nicht auf „Positionen“ ankommt. Es geht nicht um die Position die jemand vertritt, sondern man untersucht und hinterfragt die dahinterstehenden Interessen, die letzten Endes auch für die jeweilige Partei (Medianten) von grundlegender Bedeutung sind.

Einer solchen Vermittlung bedarf es zumeist dann, wenn die Parteien untereinander zu keiner Lösung mehr kommen und ein Rechtsstreit oder die völlige Abschottung voneinander in Aussicht steht. Diese soll dann zwischen den Parteien erzielt werden, wobei der Mediator als „neutraler Dritter“ die Position eines „Hilfeleisters“ einnimmt. Der Mediator fungiert nicht als Richter oder Parteivertreter, sondern ist ein „Konfliktmanager“, der zusammen mit den Parteien versucht, eine adäquate Lösung zu generieren.

Eine Mediation ist stets geprägt von der Vorstellung eines völlig offenen Endes. Es gibt keinerlei Zwang zur Erzielung einer Lösung. Es ist zunächst nur der Versuch einer Beilegung des Konflikts unter Einschaltung einer neutralen und unabhängigen Stelle, die eine Art Moderation durchführt.

 

Vom Konflikt zur Mediation

Die Mediation als Mittel zu Konfliktbehandlung setzt zunächst einmal einen Konflikt voraus. Konflikte können hierbei unterschiedlichster Natur sein: Streitigkeiten innerhalb eines engen sozialen Bereichs (Familie, Schule, Arbeitsplatz), im Bereich der Wirtschaft oder auch im strafrechtlichen Bereich (Täter-Opfer-Ausgleich). So unterschiedlich nun auch die Konfliktherde sind, so gezielter lässt sich die Mediation als Lösungsmöglichkeit einsetzen. Im Gegensatz zu gerichtlichen Entscheidungen, die von Natur aus in Art und Form der Streitschlichtung eher in ihren Lösungswegen beschränkt sind, ist die Mediation völlig frei. Nicht die Lösung ist das Ziel, sondern der Weg. Oftmals zeigt erst der Weg unterschiedlichste Möglichkeiten der Konfliktbewältigung auf, wobei man dann eine maßgeschneiderte Lösung mit den Parteien entwickeln kann.

 

Mediation = Interessenausgleich!

Wie bereits angesprochen ist man bei der Mediation bemüht, nach den Interessen der Parteien zu forschen. Diese werden oftmals von den Parteien selbst nicht erkannt, da sie sich hinter „Positionen“ verstecken. Der Unterschied zwischen Position und Interesse offenbart sich zumeist nur, wenn man die Ausgangsforderungen hinterfragt. Entscheidend ist oftmals, dass nur durch einen gerechten Ausgleich der Interessen eine hohe Wertschöpfung erreicht werden kann.

Zur Verdeutlichung von Position und Interesse ein kleines und vielleicht alltägliches Beispiel:
Zwei Schwestern streiten um eine Orange. Die Mutter wird ihr "gerechtes" Urteil wahrscheinlich dahin aussprechen, dass jede der beiden Schwestern eine Hälfte der Frucht erhält.
Es stellt sich nun die Frage, ob dieses Urteil nun eine salomonische Lösung darstellt oder ein „besseres“ (d.h. wertschöpfenderes) Ergebnis für die beiden Schwestern hätte erzielt werden können.
Bleibt man auf der Ebene der Positionen stehen, lässt sich nur feststellen, dass eben jede der beiden Schwestern die Orange haben möchte. Dies greift aber zu kurz. Man muss sich von den Positionen loslösen und die dahinterstehenden Interessen eruieren. Würde man die beiden Schwestern nun jeweils fragen, wozu sie denn die Orange haben möchten, würden sich die Interessen auftun: Eine der beiden benötigt nur die Schale zum Backen, während es der anderen nur auf das Fruchtfleisch bzw. den Fruchtsaft ankommt.
Die für beide nun optimale Lösung wäre, der einen die Schale und der anderen das Fruchtfleisch und den Fruchtsaft zu überlassen. Diese Lösung des Konflikts hätte auch die meiste Wertschöpfung. Im Gegensatz dazu, dass jeder eine Hälfte der Orange erhält und letztendlich einen für sie „überflüssigen“ Teil (für den einen die Schale, für den anderen das Fruchtfleisch und den -saft) zusätzlich bekommt, während ihr auf der anderen Seite ein für sie wichtigerer Teil (restliche Schale bzw. restliches Fruchtfleisch und -saft) vorenthalten wird.
Durch hinterfragen der Interessen kommt man auf Lösungsansätze, die man auf der Ebene der Positionen nie gefunden hätte! Dies hat auch zumeist die Folge, dass eine für beide Seiten höhere Wertschöpfung erzielt wird. Es wird somit das Wertschöpfungspotential größtenteils ausgeschöpft und ein für beide Seiten optimiertes Ergebnis gefunden.

 

Grundsätze der Mediation

Es gibt für eine Mediation verschiedene Grundsätze, die als Grundlage von den Parteien akzeptiert werden müssen. Teilweise sollten die Medianten auch die im Hinblick auf die Durchführung einer „optimalen“ Mediation danach handeln:

1. Neutralität des Mediators

Der Mediator ist eine neutrale und unabhängige Institution, die als eine solche auch von den Parteien akzeptiert werden muss.

2. Freiwilligkeit der Mediation

Die Mediation ist freiwillig! Die Parteien sind nicht gezwungen eine Mediation durchzuführen. Sie kann zudem zu jeder Zeit auch einseitig von einer Partei oder auch von dem Mediator beendet werden.

3. Eigenverantwortlichkeit der Medianten

Die Parteien nehmen im Mediationsverfahren ihre Interessen und Bedürfnisse selbst wahr. Der Mediator unterstützt sie hinsichtlich der Darstellung und Vermittlung der Interessen oder Bedürfnisse. Die Parteien müssen also bemüht sein, ihre Sichtweisen darzustellen und entsprechende Entscheidungen selbst treffen. Letzteres setzt folglich voraus, dass die Entscheidungsträger bei der Mediation als Parteien teilnehmen.

4. Offenheit der Medianten

Um eine optimale Lösung mit größtem Wertschöpfungspotential zu erzielen sind die Parteien dazu gehalten, sämtliche notwendigen Informationen offenzulegen. Daher verpflichten sich die Parteien zu Beginn einer Mediation zur Offenlegung sämtlicher entscheidungserheblicher Fakten. Nur so kann der „größte Kuchen gebacken werden“ (= Erzielung der größten Wertschöpfung).

5. Vertraulichkeit des Informationsaustauschs

Das Vertrauen ist die Grundlage zur Schaffung eines guten Verhandlungsklimas. Nur wenn ein solches vorherrscht kann eine Mediation Erfolg haben. Die Parteien sollen sicher sein, dass die ausgetauschten Informationen im Rahmen des Mediationsverfahrens zu einem späteren Zeitpunkt nicht gegen sie verwendet werden. Dieser Punkt kommt gerade dann zum Tragen, wenn eine Mediation scheitert. Diese Informationen sollen nicht in einer späteren gerichtlichen Auseinandersetzung dafür verwendet werden, die jeweilige Ausgangslagen der Parteien zu verändern. Vielmehr sollen die Parteien so gestellt sein, als hätte eine Mediation niemals stattgefunden.

Diese Grundsätze werden größtenteils durch den Mediator im Rahmen einer Mediationsvereinbarung sichergestellt.

 

Ablauf der Mediation

Der Ablauf der Mediation unterteilt sich grundsätzlich in fünf Phasen:

1. Einleitung und Kontraktphase

Im Eröffnungsstatement wird zunächst vom Mediator das Mediationsverfahren erläutert. Im Anschluss daran wird eine Mediationsvereinbarung und ein Mediatorvertrag geschlossen.

2. Bestandsaufnahme bzw. Sachverhaltsklärung

In dieser Phase werden die inhaltlichen Ebenen (Themen, Positionen etc.) und die Beziehungsebene klargestellt. Dabei kann gerade bei größeren Konflikten eine Aufspaltung in Einzelthemengebiete sinnvoll sein.

3. Erforschung der Interessen und Bedürfnisse

In dieser (weichenstellenden) Phase geht es um die Herausarbeitung der hinter den Positionen stehenden Interessen und Bedürfnisse der Medianten. Es geht darum, die Frage, worum es den Beteiligten wirklich geht, entsprechend zu behandeln. Gerade dies stellt eines der Hauptaufgaben des Mediators dar, der hierbei die Hintergründe mit den Medianten gemeinsam zu erforschen hat. Dabei wird auch festgestellt, was den Parteien wichtig oder weniger wichtig ist.

4. Entwickeln von Lösungen/Optionen und Bewertung

Dies stellt die entscheidende Phase für alle Beteiligten dar. Sie wird oft unterteilt in die Entwicklung von Lösungen und in die Bewertung der gefundenen Lösungen.

a) Entwicklung von Lösungen

Es soll hierbei eine Lösung gefunden werden, die den Medianten allseits vorteilhafte Möglichkeiten eröffnet. In dieser Phase sind die Parteien gefordert möglichst viele, kreative und alle denkbaren Lösungsoptionen zu benennen.

b) Bewertung der Lösungen

Sind Lösungen entwickelt worden, so geht es an die Bewertung der Lösungen. Die Bewertungskriterien sind hierbei u.a.: größte Wertschöpfung, gerechteste/fairste Lösung, Vergleich der Lösungen mit den Nichteinigungsalternativen, etc. Insbesondere gilt es hier auch, die Lösungen ggf. weiterzuentwickeln oder – bei völlig unterschiedlichen Lösungsansätzen – diese einander näherzubringen.

5. Mediationsvergleich bzw. Abschluss einer Vereinbarung

Der Mediationsvergleich ist die schriftliche Fixierung der gefundenen Lösung. Es werden hierbei insbesondere die Fragen des Inhalts (Verpflichtungen, offengebliebene Punkte, weitere Schritte etc.), der Wirksamkeit (Form) und der Vollstreckbarkeit geregelt.